Selbst die laut Studien effektivsten Substanzen zeigen als Bodybuilding- oder Fitness-Supplement keine Wirkung, wenn sie nicht richtig dosiert sind. Heutzutage ist jede Supplementfirma verpflichtet, ein Produkt über ein Produktlabel (ähnlich dem von Lebensmitteln) mit den enthaltenen Inhaltsstoffen auszuweisen. Vor dem Kauf eines Supplements sollte das Produktlabel also das Erste sein, dem Du Aufmerksamkeit schenkst. Ich zeige Dir in diesem Artikel, welche Möglichkeiten Supplement Firmen besitzen, um eine mögliche Unterdosierung von Supplements zu verschleiern – und dir völlig überteuerte Trainingsbooster, Weight Gainer und Co. zu verkaufen.

Bedeutung von Proprietary Blends?

Sehr oft ist in Produktbeschreibungen oder der Rückseite von Supplementverpackungen von den sogenannten „Propietary Blends“ die Rede. Doch was sind eigentlich Propietary Blends? Propietary Blends sind Auflistungen mehrerer Inhaltsstoffe eines Supplements. Auf Deutsch übersetzt werden kann der Begriff mit „proprietäre Mischung“. Meistens beziehen sich dabei die Proprietary Blends auf eine bestimmte „Wirkungsmatrix“, jedoch ohne die exakte Angabe der Dosierung der einzelnen Inhaltsstoffe. Überwiegend ist es so geregelt, dass der am höchsten dosierte Inhaltsstoff dabei an erster Stelle steht. Die immer niedrig dosierteren Inhaltsstoffe werden in absteigender Reihenfolge aufgeführt.

Vielen Leuten wird dabei über Werbeaussagen oder Social Media Kanäle eingeredet, dass es eine spezielle Wirkungsformel ist, die die Supplementfirma nicht veröffentlichen möchte – um sich vor „Nachahmern“ zu schützen. Meiner Meinung nach ist das totaler Bullshit!

Wissenschaftliche Supplement Studien sind bekannt

Alle wissenschaftlichen Ergebnisse von untersuchten Inhaltsstoffen sind – mit etwas Recherche – frei verfügbar und in der Fitnessszene bekannt. Sie können zu jederzeit von jedermann abgerufen werden. Welches Supplement in welcher Dosierung einen möglichen Effekt hervorrufen kann, ist je nach Inhaltsstoff also gut dokumentiert. Insbesondere in der Supplement-Industrie müsste also jeder wissen, welche Inhaltsstoffe wie wirken und vor allem in welchen Mengenangaben diese ihre Wirkungen entfalten.

Wen könnten diese „geheimnisvollen“ Rezepturen jedoch beeindrucken? Genau, den „gewöhnlichen“ Anwender, der über wenig Hintergrundwissen verfügt. Ein Anwender, der sich von diesem interessant klingenden Namen „Proprietary Blends“ viel Wirkung zur Unterstützung verspricht – um sein bestimmtes Trainings- oder Fitnessziels zu erreichen (schnellerer Muskelaufbau, als Trainingsbooster mehr Motivation und Pump im Gym etc.).

Lange Inhaltsstofflisten zur Tarnung

Der normale Anwender denkt meist bei einer großen Liste von Zutaten: „So viele Inhaltsstoffe mit fancy Namen sind drin, dass kann ja nur wirken“. Wenn eine Suppfirma Dir also nicht freiwillig sagt, was in welchen Mengenangaben im Supplement enthalten ist, solltest Du skeptisch sein! Meiner Meinung nach machen sie es, weil sie es ihrem Gewinn zu Gute einfach nicht wollen. Mit einem Propietary Blend lassen sich nämlich auch eher unschöne Dinge umsetzen: beispielsweise lassen sich ohne weiteres niedrig dosierte Inhaltsstoffe „verschleiern“. Denn als Hersteller muss man in diesem Falle nicht mehr die genaue Mengenangabe pro Inhaltsstoff angeben.

Einfach ausgedrückt: man könnte billige Supplements sehr hoch dosieren – und dafür Supplements, die in der Herstellung und somit im Einkauf teurer sind, extrem niedrig dosieren. Egal ob diese „teuren“ Supplements dann mit 10 Milligramm, 50 Milligramm oder 100 Milligramm enthalten sind (obwohl eine Wirkung vielleicht erst ab 750 Milligram eintritt), dürfen diese Supplements dann im Proprietary Blend aufgeführt werden.

Das Problem daran ist, dass wenn die Inhaltsstoffe in den gekauften Produkten niedriger dosiert als in den Studien nachgewiesen sind, diese schlichtweg nicht die Wirkung besitzen, welche Du Dir erhoffst. Im schlimmsten Falle kann es also sein, dass Du völlig überteuerte Supplements kaufst. Den Hersteller kosten diese ein paar Euro, Dir aber werden sie für 30 oder gar 40 Euro verkauft – und besitzen zudem nicht mal ansatzweise die korrekten Wirkungsdosierungen.

Fiktives Beispiel für ein Label mit Proprietary Blend

Um Dir dies noch konkreter vor Augen zu führen, nachfolgend ein von mir erstelltes Beispiel einer „Proprietary Blend“ Rezeptur:

„NO Hyper Exploder Blend (3270 mg) Arginin, Taurin, Kreatin Monohydrat, Citrullin, N-Acetyl Tyrosin, Koffein”

Erklärung:

Die sieben Inhaltsstoffe sind unter dem Namen “NO Hyper Exploder Blend (3200 mg)“ zusammengefasst. Diese Zutaten ergeben zusammen eine Dosierungsmenge von insgesamt 3200 mg (3,2 Gramm). Auch hier steht der am höchsten dosierte Inhaltsstoff an erster Stelle (Arginin). An zweiter Stelle dann der zweithöchste Inhaltsstoff (Taurin), anschließend der Dritte (Kreatin Monohydrat) usw. Das Problem: wir wissen nicht genau, wie hoch Arginin und die restlichen Inhaltsstoffe dosiert sind.

Uns ist es also nahezu unmöglich, dieses Produkt auf Basis der wirkungsvollen Dosierungen einzuschätzen, da das Label nicht individuell die Mengenangaben jedes einzelnen Inhaltsstoffes aufführt. Am Beispiel der obigen Abbildung könnte die Dosierung der einzelnen Supplements auch wie folgt aussehen:

Arginin 2000 mg
Taurin 500 mg
Kreatin Monohydrat 300 mg
Citrullin 200 mg
N-Acetyl Tyrosin 150 mg
Koffein 120 mg

Arginin beispielsweise wird für einen erhöhten Pumpeffekt im Training und für einen besseren Nährstofftransport als Pre Workout zwischen 3-6 Gramm dosiert. Je nachdem wie schwer man ist, welches Ziel verfolgt und was zusätzlich eingenommen wird. Unter Annahme der Dosierungsaufteilung im obigen Beispiel ist Arginin also bereits unterdosiert. Alle anderen Inhaltsstoffe wie Citrullin, Taurin, Kreatin Monohydrat sind deutlich unter den üblicherweise gut wissenschaftlich dokumentierten Dosierungen enthalten. Koffein mit 120 mg ist ebenfalls am unteren Ende der über Studien dokumentierten Wirkungsdosis vorhanden.

Dein Geld kannst Du also genauso gut aus dem Fenster schmeißen, da nach meinem Beispiel kein Inhaltsstoff (ausgenommen vielleicht das Koffein an der Wirkungsgrenze) in einer ausreichenden Dosierung enthalten ist. Und genau dies ist das große Problem: Supplements mit Proprietary Blends machen es für Dich unmöglich, genau einzusehen, wie viel von welchem Inhaltsstoff genau dosiert ist. Vielleicht verwendest Du ja bereits einen Trainingsbooster mit einem Proprietary Blend.

Vielleicht wirkt dieser bei dir auch für ein gewisses Ziel (z.B. Fokus im Training oder Pump Effekt) besonders gut. Da dieser Trainingsbooster jedoch einen Proprietary Blend besitzt, weißt du jetzt nicht, welcher Inhaltsstoff oder welche Kombination dies bei dir hervorruft. Da dies nicht möglich ist, kaufst du de Fakto den Booster wieder. Vielleicht sind es ein, zwei oder drei Inhaltsstoffe, auf die du sehr gut ansprichst. Wenn jedoch alles aufgeschlüsselt wäre, könntest du den Booster auch einfach nachbauen, und dann beispielsweise lediglich die Inhaltsstoffe verwenden, die bei dir auch wirken. Vielleicht sind es eben nicht die fancy Supplements, die völlig unterdosiert im Supplement sind und nur für den Eindruck für eine krasse Rezeptur vorhanden sind. Dies wäre langfristig viel effektiver und würde für dich viele gesparte Euros € bedeuten 😉

Der wahre Grund für Proprietary Blends

Es gibt meiner Meinung nach nur einen Grund, warum diese Form der Auflistung von Supplement Firmen genutzt wird:

Supplement Firmen nutzen das „nicht angeben“ der Dosierungen schamlos aus und verstecken so, ihre viel zu niedrig dosierten Zutaten, um über diese Intransparenz mehr Profit zu generieren. Keiner kann also auf den ersten Blick sagen, wie hoch die jeweiligen Inhaltsstoffe dosiert sind. So könnte es in meinem obigen Beispiel sein, das Arginin mit 2500 mg dosiert ist und die restlichen Inhaltsstoffe sich auf die restlichen 770 mg verteilen. Bleiben wir bei diesem Beispiel: Taurin als zweiter Wirkstoff könnte so beispielsweise mit 300 mg dosiert sein, eine bedeutende Wirkung wäre mit einer so niedrigen Dosis nicht zu erwarten.

Eine Supplementfirma könnte also ohne Probleme sehr günstige Inhaltsstoffe verwenden (die zudem keine wissenschaftlich fundierten Ergebnisse besitzen), diese als erste Zutat aufführen und theoretisch bis zum Maximum dosieren, um somit mehr Geld zu verdienen. Die Gewinnmargen für die Supplementfirmen können durch diese Möglichkeit einer Dosierungsangabe noch größer werden, indem vor allem günstige Inhaltsstoffe entsprechend sehr hoch dosiert werden, teure Inhaltsstoffe niedrig. Für den Käufer ist dies im ersten Moment jedoch über die Zutatenliste und den Propietary Blend schwer zu beurteilen. Zudem denken viele Bodybuilder bzw. Anwender, dass je mehr Zutaten vorhanden sind, desto besser wirkt das Supplement – meistens leider ein Trugschluss…

Zusätzlich verwenden viele Supplementfirmen gerne die chemischen Namen der Inhaltsstoffe, um diese und Proprietary Blends für Dich noch wissenschaftlicher und fanciger erscheinen zu lassen. Einfaches Koffein wird schnell als 1,3,7-trimethylxanthine aufgelistet und Grüner Tee Extrakt wird mit dem chemischen Namen epigallo-3-catechin-3-O-b-gallate aufgeführt. Klingt ja für eine erhoffte Wirkung auch direkt vielversprechender, oder? 😀

Die drei Hauptprobleme der Proprietary Blends

Demnach besitzen Proprietary Blends drei Hauptprobleme:

  1. Mit Propietary Blends ist es nahezu unmöglich, ein Produkt nach der Effektivität und der Wirkung zu beurteilen.
  2. Mit einem Propietary Blend wirst Du niemals wissen, ob Du die effektive Dosis eines bestimmten Inhaltsstoffes zu Dir nimmst.
  3. Mehr Inhaltsstoffe bedeutet nicht gleichzeitig mehr Wirkung! Du wirst kein Supplement mit 15 oder gar 25 Inhaltsstoffen mit wissenschaftlich belegten effektiven Dosierungen finden, welches sich finanziell für die Supplementfirmen und am Ende für Dich rechnen würde.

Mein Fazit: „Proprietary Blend“ hinterfragen!

Letztendlich kann ich zu diesem Thema nur sagen, dass man die „Proprietary Blend“-Angaben kritisch betrachten und hinterfragen sollte. Natürlich kann man diese Schlussfolgerung nicht auf alle Supplements übertragen, da es Wirkstoffe gibt, die auch in niedriger Dosierung Wirkung zeigen (beispielsweise Koffein). Aber um hier sicher zu gehen, kannst Du ja ohne Probleme die Inhaltsstoffe und deren Dosierungsempfehlungen recherchieren und dann selbst nachrechnen, ob die einzelnen Inhaltsstoffe jeweils (von der Mengenangabe des Proprietary Blends gesehen) überhaupt vernünftig wirken können.

Letztlich denke ich allerdings, dass die Propietary Blends-Angaben größenteils ausgenutzt werden, um den Käufer zu täuschen. Die Wahrheit über die Mengenangaben soll vor ihm verschleiert werden. Ich persönlich finde das Argument der Supplement Firmen, dass man sich mit den Propietary Blends vor Wettbewerbern schützen möchte sehr schwach. Denn als Konkurrent könnte man theoretisch die Zusammensetzung ganz einfach durch ein unabhängiges Labor überprüfen und auswerten lassen oder die Zutatenliste studieren und die Studien hierzu genauestens auswerten. Somit hätte man ohne großem Aufwand schnell und zielführend die möglichen Dosierungsgrößen der einzelnen Inhaltsstoffe.

Auch kannst Du teilweise als Nutzer, durch die nicht exakt vorhandene Dosierung, nie genau wissen, wie viel Du wovon konsumierst – beispielsweise durch eine Verdopplung der Dosis, was ggf. zu unangenehmen Nebenwirkungen führen kann.

Hier muss meiner Ansicht nach ein Umdenken in der Supplement-Industrie stattfinden: Ein Ende der Proprietary Blends für mehr Produkttransparenz – und die überwiegende bzw. ausschließliche Nutzung von wissenschaftlich sehr gut bis gut fundierten Wirkstoffen.

Meine Empfehlung an Dich

Untersuche ab jetzt als erstes akribisch die aufgeführten Inhaltsstoffe der Produktverpackung. Studiere dessen Dosierung und das Kosten-Nutzen-Verhältnis. Wäge dann ab, ob Dir das Supplement wirklich das Geld Wert ist oder Du Dir alternativ nicht doch lieber selber Deinen eigenen Booster bzw. Deine Supplements bauen möchtest. So weißt Du zu 100 %, was in Deinen Supplements vorhanden ist – und kannst Dir diese nach Lust und Laune, nach Deinen individuellen Zielen und Wünschen zusammenstellen.

Bedeutung & Trick der Proprietary Blends – und wie Du ihn durchschaust!
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