Ausgangslage für diesen Artikel sind, die in letzter Zeit zunehmenden Nachrichten über Instagram und den Supplement Insider Blog an mich, ob Beef Protein eine Lüge für das Fitness Training beziehungsweise für den Muskelaufbau überhaupt sinnvoll ist und wie sich generell die Wirkung von Beef Protein als Eiweissquelle für die Muskeln darstellt. Insbesondere in Social Media, Foren und Facebook Gruppen hat die Zahl der Postings und Erfahrungsberichte zum Thema „Beef Protein“ in den letzten ein bis zwei Jahren stark zugenommen. Grund genug für mich, das Beef Protein genauer zu beleuchten!

Die Lüge und das Problem mit dem Beef Protein

Gepusht durch viele gesponserte Beiträge in Fitnessmagazinen und von Pro Bodybuildern stark promotet, hat das Beef Protein (Rinderprotein) einen wahren Hype erfahren. Nicht nur die amerikanischen Supplement Hersteller decken dieses Segment ab, auch europäische Supplement-Firmen sind auf diesen Zug aufgesprungen. Sie bieten immer mehr Supplement Firmen „Beef“-Protein-Produkte in allen erdenklichen Geschmacksrichtungen, egal ob als Beef Protein Pulver, als Liquid Aminos oder als Amino Tabs, an.

Höchste Zeit für mich als Supplement Insider, mich diesem Thema eingehend zu widmen und Dir mit diesem Artikel die Augen zu öffnen.

Daher erfährst du in diesem Insider Artikel:

1. Woraus Beef Protein tatsächlich hergestellt wird – Spoileralarm: nämlich nicht aus purem Fleisch!

2. Warum das Aminosäurenprofil von Beef Protein alles andere als optimal für Deinen Muskelaufbau ist.

3. Sinnvolle Alternativen zum Beef Protein, um Dein Training und Deinen Muskelaufbau sinnvoll und kosteneffizient zu unterstützen.

In den Jahren 2014 und 2015 stark in den Supplement Markt promotet, brachten zu Beginn vor allem amerikanische Supplement Hersteller zahlreiche Rinderprotein Produkte auf den Markt. Doch europäische Hersteller haben in letzter Zeit fleißig nachgezogen und eine Vielzahl an Beef Protein Produkten jeglicher Art herausgebracht.

Anscheinend haben sie hier eine lukrative Lücke im Supplement Business gefunden, die meiner Meinung nach viel Profit für die Unternehmen generiert – jedoch wenig Gains und Wirkung für die Muskeln der Anwender.

Die Herstellung von Beef Protein

Warum spreche ich das so direkt an?

Viele Hersteller suggerieren durch spezielle Werbeelemente, dass in den Produkten tatsächlich Proteinpulver aus purem Rindfleisch enthalten ist – beispielsweise über Abbildungen von Rindern in den Produktbeschreibungen oder Magazinwerbungen. Die Darstellungen auf Produktlabeln ist nämlich nicht reguliert, weshalb sich die Werbeabteilungen der Supplementfirmen dies zu Nutze machen.

Aber okay, eins nach dem anderen. Betrachten wir erstmal den durchschnittlichen Preis für so ein Beef Protein. Um es einfach zu halten, sagen wir, 1 Kg Beef Protein von Supplement Hersteller XY wird für 25,00 € verkauft.

Jetzt überlege einmal, wie hoch der Kilopreis für Rindfleisch bei Dir im Supermarkt an der Ecke ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Fleischarten wie Hühner- oder Putenfleisch liegt hier der Preis pro Gramm Eiweiss wesentlich höher. Im Vergleich zu den Eiweiss-Konzentraten oder Isolaten (z.B. Whey oder Soja) auf 100 Gramm gesehen, sogar noch bedeutend höher.

Selbst wenn man die „schlechtesten“ Fleischabschnitte zur Herstellung von reinem Rindprotein nutzen würde, kann sich meiner Ansicht nach kein rentables Ergebnis unter Berücksichtigung von Herstellungs-, Verpackungs- und Marketingosten für eine Supplement Firma darstellen (außer das Kilo Rindproteinpulver wird in diesem Fall für hundert Euro angeboten :-)).

Beef Protein Pulver: Der wahre Inhaltsstoff Kollagen

Aber warum heißt es dann Beef Protein, wenn es nicht zu 100 % aus Fleisch hergestellt wird? Wenn man sich die Zutatenliste der Hersteller anschaut stößt man hier überwiegend auf die folgenden Ausgangsstoffe – die auf der Zutatenliste an erster Stelle stehen: Hydrolysiertes Rindfleischprotein, Protein Hydrolisat (Rind) oder Kollagenhydrolysat (Rind). Alle drei Schreibweisen meinen ein und denselben Grundstoff: Rinderkollagen.

Zum Glück gibt es die Europäische Union, die eine extra Verordnung (VERORDNUNG (EG) NR. 853/2004 ) zur Herstellung von Kollagen verabschiedet hat. Diese Verordnung beschreibt auch die Rohstoffe, die zur Herstellung von Kollagen in Lebensmitteln (so auch für „Proteinpulver oder Aminosäurenpulver aus Rinderkollagen“) genutzt werden dürfen:

„Kollagen, das in Lebensmitteln verwendet werden soll, darf nur aus folgenden Rohstoffen hergestellt werden: a.) Häuten und Fellen, von als Nutztieren gehaltenen Wiederkäuern; b.) Schweinehäuten und -knochen; c.) Geflügelhäuten und -knochen; d.) Bändern; e.) Häuten und Fellen von frei lebendem Wild und f.) Fischhäuten und Gräten.“ (Quelle: http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32004R0853&from=DE)

Oh yes, hört sich alles sehr lecker an! Aber bleiben wir beim Beef Protein. In dem oben aufgeführten Ausschnitt der EU Verordnung fällt „Hydrolysiertes Rindfleischprotein“, „Protein Hydrolisat (Rind)“ oder „Kollagenhydrolysat (Rind)“ also unter anderem unter

„a.) Häuten und Fellen von als Nutztieren gehaltenen Wiederkäuern;“,

da Rinder Wiederkäuer sind (ggf. zusätzlich noch in „d.) Bändern“). Dementsprechend kann Rinderkollagen unter anderem aus „Häuten und Fellen“ hergestellt werden. Willst Du echt diese Ausgangsstoffe als tägliche Proteinquelle nutzen und dafür auch noch einen Haufen Geld hinlegen?

Wirkung von Beef Protein

Wenn ich Dich immer noch nicht zum Umdenken angeregt habe, schauen wir uns mal ein typisches Aminosäurenprofil von Rinderkollagen an.

In einem typischen Kollagen Hydrolysat dominieren die Aminosäuren Glycin, Prolin und Hydroxyproline zu 50 % das Aminosäurenprofil. Besitzen speziell diese drei Aminosäuren einen durch Studien nachgewiesenen direkten Einfluss auf die Bildung von Muskelmasse oder eine starke Wirkung auf die Muskelproteinsynthese: Nein!

Können diese jedoch 1:1 als Eiweiss im Label deklariert werden: Ja! Pures Rinderkollagen besitzt im Vergleich zu Whey oder Egg Protein eine miserable Aminosäurenbilanz  – gerade in Hinblick auf die Muskelproteinsynthese und den Aufbau von Muskelmasse.

Aber auch dafür haben sich manche Hersteller etwas einfallen lassen: Dem Rinderkollagen wird einfach zusätzliches Eiweiss (z.B. Milchprotein) hinzugemischt, damit die wirklich miserable Aminosäurenbilanz wenigstens etwas aufgewertet wird. Oder es werden die fehlenden Aminosäuren einzeln hinzugesetzt (nachvollziehbar in der Zutatenliste), damit es so aussieht, dass wenigstens die BCAA’s Leucin, Isoleucin und Valin in fast „akzeptabler“ Menge vorhanden sind.

Aber jetzt mal ehrlich: Ich persönlich sehe es nicht ein, für ein Produkt hohe Summen von Geld zu bezahlen, das aus Schlachtabfällen (unter anderem Haut und Fell) hergestellt – und eben nicht pur aus Fleisch hergestellt wird, wie es dem Nutzer eigentlich über den Namen und die Werbung  verkauft wird. Das im Hauptbestandteil (Rinderkollagen) – in Hinblick auf den Muskelaufbau – eine miserable Aminosäurenbilanz aufweist und dem erst zahlreiche weitere einzelne Aminosäuren oder andere Eiweißarten hinzugefügt werden müssen, damit es wenigstens irgendwie als „vollwertiges Protein“ durchgeht. Dieses Protein dann anschließend mit Bildern oder Abbildungen von Rindern zu vermarkten, sehe ich, als dreisten Werbetrick an.

Verwendete Verkaufsargumente von Beef Protein

Interessant ist auch, warum sehr viele deutsche Onlineshops insbesondere bei den Beef Protein Produkten lediglich das Label der Makro Zusammensetzung (Fett, Kohlenhydrate, Eiweiss etc.) anzeigen und nicht direkt das Aminosäurenprofil!? Etwa vielleicht, damit man auf den ersten Blick nicht direkt sehen kann, wie miserabel das Aminosäurenprofil aussieht? Zum Beispiel, dass die für den Muskelaufbau unwichtigen Aminosäuren Prolin, Glycin und Hydroxyproline für den hohen Gesamtgehalt an Eiweiss im Produktlabel zuständig sind…?

Da einige Fitness-Youtuber oder Gannikus auch auf diesen Umstand hingewiesen haben, haben einige Onlineshops oder Hersteller nun einfach neue Vorteile von Beef Protein in die Produktbeschreibungen integriert. Anstatt jetzt übermäßig auf den Muskelaufbau anzuspielen, wird die „gelenkunterstützende Wirkung“ von Beef Protein (durch die Aminosäuren Glycin, Prolin und Hydroxyproline) als Vorteil kommuniziert.

Aber im Ernst: Die meisten Personen (egal ob im Bodybuilding oder weiteren Fitness-Sportarten) die dieses Produkt meiner Einschätzung nach ansprechen soll, befinden sich im Alter von 16 – 35 Jahren. Ist es hier überwiegend notwendig, über ein Protein die Gelenke, Sehnen und Bänder zu unterstützen? Meiner Meinung nach ein klares NO! Proteinpulver sollte meiner Meinung nach mit dem Ziel der Eiweissversorgung genutzt werden und nicht für künstlich erfundene Anwendungsbereiche. Für Gelenke und Knochen gibt es meiner Ansicht nach zudem viel günstigere und vor allem effektivere Supplements, die zur Gelenkunterstützung genutzt werden können!

Supplement Insider Meinung zum Beef Protein

Aber warum wird Beef Protein überhaupt so stark promoted? Meiner Meinung nach gibt es hierfür zwei Gründe: Noch immer ist es für Supplementfirmen profitabler als Whey Protein und in dieser speziellen Nische sind (noch) wenig Wettbewerber vorhanden. Zudem verbinden wir Männer werbepsychologisch gesehen das Rind und Rinderfleisch ggf. immer gleich mit Wachstum, Stärke und Muskeln, was die Vermarktung an dieser Stelle sicherlich begünstigt. In Hinblick auf das Preis-/Leistungsverhältnis und die Inhaltsstoffe kann ich abschließend daher nur folgende Empfehlung geben:

Ganz ehrlich – spare Dir dieses Produkt (sowie weitere Beef Produkte wie Liquid Beef Aminosäuren und Co.) und investiere Dein hart verdientes Geld besser in qualitatives Whey-, Milch-, Eggprotein oder alternative pflanzliche Proteine mit wesentlich geeigneteren Aminosäurenprofilen für Deinen Muskelaufbau.
Beef Protein eine Lüge? 6 Fakten zur Herstellung & Wirkung!
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